Geschichte


„Aus der Geschichte des Gasterosteus“

Am 15. Juni 1949 traf sich in der romantischen Gartenhütte unseres ehemaligen Ehrenmitgliedes, Eugen Bolz, eine kleine Gruppe leidenschaftlicher Aquarianer. Zum größten Teil gehörten sie dem nach dem Kriege wiedererstanden „Verein der Aquarien- und Terrarienfreunde Karlsruhe" (VAT) an. Ihr Ziel war es, einen eigenen Verein zu gründen, weil sie in der Zugehörigkeit zu dem erwähnten Verein keine Möglichkeit sahen, aktive Aquaristik zu betreiben. Am 7. Juli teilte der damals provisorische Vorsitzende dem Amt für Öffentliche Ordnung und Sicherheit mit, daß der Verein am 01. Juli 1949 unter dem Namen GASTEROSTEUS (auf Deutsch: Stichling) „seine Tätigkeit aufgenommen“ habe.
Diese Namensgebung hielt man in Erinnerung an die früheren oppositionellen „Sticheleien“ für besonders angebracht. Von den damaligen Gründungsmitgliedern ist heute leider niemand mehr in unseren Reihen. Zu den wichtigsten Zielen, die der Verein sich gesetzt hatte, gehören: die Anlage eines Freigeländes und die Durchführung von Ausstellungen. Die Freianlage sollte die kameradschaftliche Verbundenheit unter den Mitgliedern fördern. Ausstellungen sollten weite Kreise der Bevölkerung für die schöne und pädagogisch so wertvolle Zierfischpflege interessieren und nach Möglichkeit auch für den Verein gewinnen. So stand es bereits bei der Vereins­gründung fest, daß eine erste Ausstellung schon im Juli 1950 stattfinden, und natürlich etwas ganz Besonderes werden müsse.

Die bisherige Uneinheitlichkeit der Beckengröße wurde dadurch vermieden, daß wir uns auf 3 Beckentypen beschränkten. Um die Kosten für die Anschaffung der erforderlichen Aquarien und Terrarien möglichst niedrig zu halten, beschlossen wir, sie in eigener Regie herzustellen. Das für die Anschaffung benötigte Kapital wurde von den Mitgliedern durch Spenden und großzügige Vorausfinanzierungen zur Verfügung gestellt. Unter der Leitung und wesentlichen Mithilfe der Freunde Bolz und Strehle wurden nach monatelanger, mühevoller Arbeit 82 Aquarien und Terrarien bereitgestellt. Nach dem auch die letzten Beleuchtungskörper montiert und angeschlossen waren, wurde die Ausstellung pünktlich - wie geplant - am 13. Juli 1950 unter der Schirmherrschaft des damaligen Oberbürgermeisters Töpper, selbst Zierfischliebhaber, eröffnet. In den Aquarien und Terrarien tummelte sich alles, was seinerzeit im Handel erreichbar war. Einmalig die herrliche Dekoration durch unseren Freund Strehle, der hierfür seine Gewächshäuser fast ausgeräumt hatte! 4.472 Interessenten besuchten diese Ausstellung.

1951 folgte bereits die nächste, wiederum von Herrn Oberbürgermeister Töpper eröffnete Ausstellung; seine enge Verbundenheit zur Aquaristik wurde dadurch zum Ausdruck gebracht. 4.891 Besucher wurden registriert. Die nächsten Ausstellungen fanden 1955 und 1956 mit der stolzen Besucherzahl von jeweils mehr als 7.000 Personen im Saal des „Elefanten“, Kaiserstraße, statt.

1955 hatte Herr Oberbürgermeister Klotz die Schirmherrschaft übernommen, und der Süddeutsche Rundfunk sorgte durch interessante Reportagen dafür, daß auch die weiter entfernt wohnenden Aquarianer zu einem Besuch angeregt wurden.

Anläßlich des 10-jährigen Jubiläums im Juli 1959 erlebten wir wohl den schönsten Tag unserer Vereinsgeschichte, nämlich die Einweihung unseres Freigeländes in der Litzelau in Knielingen. Aus 21.000m² Sumpfgelände wurde innerhalb weniger Jahre eine Musteranlage geschaffen, der Mittelpunkt unseres Vereinslebens. Abordnungen aus 23 Vereinen besuchten uns. Eine in der Bundesrepublik erstmals durchgeführte Freiland-Ausstellung, eine erstklassig bestückte Fischbörse, und ein Festprogramm, für das sich die in aller Welt bekannten Zierfisch- und Pflanzenexperten Roloff, Blaß und Jocher als Festredner zur Verfügung gestellt hatten, machten unsere damalige Jubiläumsfeier zu einem einmaligen Erlebnis.

Aus Anlaß unseres 40-jährigen Jubiläums 1989 fand eine 9-tägige Ausstellung statt, für die wir auch Führungen und Vorträge für Schulklassen durchführten, um auch der Jugend unser Hobby näherzubringen. Schirmherr dieser Ausstellung war der damalige Zoodirektor Dr. Kohm. Für interessierte Aquarianer wurde erstmalig ein Livevortrag geboten, bei der die Zuschauer die Einrichtung eines Aquariums live erleben und sich so Anregungen für die eigene Aquariengestaltung holen konnten.

Weit über 30.000 Besucher waren also von unseren Ausstellungen, die für viele Vereine in der Bundesrepublik richtungsweisend waren, fasziniert. In all den Jahren war der Verein stets bemüht, führende Kapazitäten auf dem Gebiet der Aquaristik für Vortragsabende zu gewinnen. Wer unter den anderen Aquariern erinnert sich nicht des großen Rednerdreigespanns, der Freunde Hans W. Tusche, Jürgen Grobe und Heinz Freese? Wußten Sie, daß diese drei ihre sich über Jahre hinziehende Vortragstournee in unserem Verein vor über 200 begeisterten Zuhörern starteten?

Ein weiterer Höhepunkt wurde uns durch die Vermittlung unseres Freundes Roloff im November 1959 geboten, als es ihm gelang, den Herausgeber der größten Aquarien-Fachzeitschrift der Welt, Herrn Herbert Axelrod, New York, mit einem „Blitzvortrag“ zu gewinnen. Zahlreiche Fischarten sind inzwischen nach ihm benannt worden.

Die Tradition, den Mitgliedern immer wieder Neues und Wissenswertes durch die Vorträge führender Experten (und aus unseren eigenen Reihen) zu vermitteln, wurde bis zum heutigen Tage fortgesetzt. So konnten wir in den letzten Jahren als Redner u. a. Herr Vogt und Herr Frische bei uns begrüßen. Der GASTEROSTEUS hat sich seit seiner Gründung nicht nur um die fachliche Orientierung seiner Mitglieder, sondern in ganz besonderem Maße auch um die freundschaftlichen Kontakte bemüht. Durch zahlreiche Unterhaltungsabende, herrliche Ausflüge, Faschingsveranstaltungen und Familientreffen in unserem Freigelände wurde den echten Bedürfnissen eines Vereinslebens Rechnung getragen. Auch an die vielen Filmabende und die Sommernachtsfeste, bei denen unser Gelände durch Hunderte von Lampen bengalisch beleuchtet wurde, soll an dieser Stelle erinnert werden.

In den Jahren 1955-1961 erschien monatlich eine Vereinszeitschrift unter dem Namen „DER BRUTKASTEN“. Zu unserem Leidwesen mußte dieses Projekt wegen der zu hoch angestiegenen Druckkosten wieder aufgegeben werden.

Seit 1987 erscheint wieder eine Vereinszeitschrift in regelmäßigen Abständen unter dem Namen „Der Stichling“, die über das Vereinsgeschehen informiert. Durch die heutigen Möglichkeiten in der Computertechnik ist es uns gelungen, den Aufwand für diese Vereinszeitschrift auf einen erträglichen Betrag zu reduzieren, so daß diese Zeitschrift auch in Zukunft als Informationsmedium den Mitgliedern und Freunden dienen kann.

Seit 1962 führt der Verein in regelmäßigen Abständen sogenannte Heimschauen durch, die sich größter Beliebtheit erfreuen. Bei diesen Heimschauen sollen nicht nur die schönsten Anlagen prämiert werden, sondern sie sollen in erster Linie dazu dienen, den Mitgliedern und Interessenten immer wieder neue Anregungen für die Einbeziehung eines Aquariums in den modern ausgestatteten Wohnraum zu geben.

Für einen regen Austausch an Fisch- und Pflanzenmaterial unter unseren und den Mitgliedern auswärtiger Vereine sorgen die weit über die Regionen unserer Stadt hinaus bekannten Fischbörsen. Wir führen sie seit dem Jahr 1968 in regelmäßigen Abständen in unserem Vereinsheim durch, wobei inzwischen jährlich eine Fischbörse zusammen mit der DCG-Region Nordbaden veranstaltet wird.

Seit 1987 steht unser neues Vereinsheim. 1987 wurde es erstmalig für die Jahresabschlußfeier genutzt. Seit diesem Zeitpunkt findet der Mittelpunkt unseres Vereinsgeschehens in diesen Räumlichkeiten statt.

1989 wurde unser Vereinsgelände durch eine gut ausgestattete Grillhütte erweitert, um unsere Mitglieder und Gäste in einem angemessenen Rahmen zu verköstigen.

Zu unserem 50. Jubiläum 1999 wurde wieder eine aufwendige mehrtägige Aquarienausstellung auf die Füße gestellt. Von den verschiedensten Süßwasser Arten- und Schaubecken, bis hin zu tropischen Meerwasserbecken war viel zu bestaunen. Auch ein „So nicht!“ - Becken mit sehr viel kunterbunter Plastikdekoration war zu sehen. Zahlreiche fachkundige Führungen durch die Ausstellung und das Gelände, für Schulklassen und interessierte Besucher, wurden durchgeführt. Im März 2007, an einem Vereinsabend, präsentierte uns H. Koelbel einen „Rundgang durch die Ausstellung 1999“ als Multimedia-Diashow (DVD).

2003 musste die marode und undichte „Börsenhütte“ durch einen gebrauchten Baucontainer ersetzt werden. Per LKW-Kranen wurde dieser an den Standort der alten Hütte gesetzt. Anschließend waren noch etliche Stunden für die Auffrischung und Ausstattung des „Börsencontainer“ nötig, bis er unseren Ansprüchen genügte.

Im Jahr 2009 ging unser ehemaliger „Mutterverein“, VAT - Verein der Aquarien- und Terrarienfreunde Karlsruhe e.V. - gegründet 1900, im GASTEROSTEUS auf. So hat sich der Kreis wieder geschlossen.

Zur Jahresabschlussfeier 2009 durften wir unser Ehrenmitglied Ronald Schiefer mit Gattin begrüßen und Ihn für 60-jährige Mitgliedschaft ehren. Er ist am 10. Oktober im Gründungsjahr 1949 in den Verein eingetreten und somit ein „Mann der ersten Stunde“!

2008 und 2010 mussten wir mit großen Kosten und Mühen in unseren üppigen Baumbestand eingreifen. Sturmschäden und starke Neigung mancher Baume, sowie Altersschwäche und Krankheiten, die die Standsicherheit gefährdeten und damit Gefahr für Leben und Sachgüter waren, mussten von Profis gefällt oder gestutzt werde.

Wie Sie aus dem Abriss der Vereinsgeschichte ersehen, waren wir stets bemüht, durch nie erlahmenden Eifer eine im Sinne der Gründer unseres Vereins angestrebte aktive, lebendige Aquaristik zu betreiben. Vereinsarbeit bedeutet Idealismus für unsere schöne Liebhaberei „Natur im Heim“, für ein Hobby, das uns die Wunder der Natur näher bringt, das uns die Alltagssorgen vergessen läßt, und das uns immer wieder aufs Neue verzaubert.


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